2008 - Es wird spannend

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01. Januar 2008

Das portugiesische Lebensmittelgesetz wird modifiziert; angeblich nur eine Umsetzung von geltendem EU-Recht. Was wir bisher davon wissen reicht uns jetzt schon:

Das generelle Rauchverbot in Gaststätten ist in Portugal nicht einmal das Papier wert, auf dem es steht. Es gilt zwar allgemein generelles Rauchverbot;  aber schon darf überall munter weitergeraucht werden, wenn eine entsprechende Abzugsanlage im Gastraum eingebaut wurde.  Und genau das ist das Problem: “Entsprechend” ist im Gesetz noch nicht näher definiert. So gibt es portugiesische Raucherkneipen mit einem Abzug, der aus einem 10 cm Loch in der Wand mit einem kleinen Ventilator besteht. Andere Wirte warten, bis eine detaillierte Vorgabe vom Gesetzgeber vorliegt und verbieten das Rauchen. Damit ersparen sie sich Kosten, weil die Gefahr besteht, dass der installierte Rauchabzug nicht den Anforderungen genügt oder überproportioniert wurde. Das will - außer ein paar Mutigen - niemand riskieren. Und es kommt der Sommer, da sitzt eh jeder draußen. Die Umsatzeinbußen halten sich somit in Portugal m vertretbaren Rahmen.

Alles Selbstgebackene von der Oma oder Nachbarin darf nur noch verkauft werden, wenn sämtliche Zutaten bei ASAE-verifizierten Betrieben (mit Rechnung) gekauft wurden. Die private Produktion mit Rohprodukten aus eigenem Anbau oder aus Nachbars Garten ist verboten. . Ausnahmen soll es nur geben bei typisch portugiesisch - traditionellen Produkten. Also werden auf den Märkten weiterhin regionale Würste oder Käse tagelang ungekühlt der Sonne ausgesetzt und ohne Spuckschutz, nach 100 Mal Betasten ganz legal verkauft. Das widerspricht nach geltendem Recht nicht den umfangreichen Hygienevorschriften. Wir haben mit unseren Bratwürsten in Portugal leider keine traditionellen Produkte - für uns wird nun der europäische HACCP - Plan bindend. Nach diesem haben wir zwar bislang schon gearbeitet, nun müssen wir aber alles zusätzlich schriftlich und mehrmals dokumentieren. Ein irrwitziger Verwaltungsaufwand.

Wer z. B. künftig einen Tosta Mista (Schinken / Käsetoast) verkaufen will, muss exakt Buch führen - über jede Scheibe Käse und Schinken, die er aus dem Kühlschrank nimmt. Nachweisen, wann und wo die Scheibe Toast gekauft wurde, wie und wie lange sie gelagert, wann - und mit welcher Temperatur sie entnommen wurde. Viele Kneipenbesitzer werden sich zukünftig entschließen, überhaupt kein Essen mehr anzubieten, weil der Verwaltungsaufwand viel zu hoch ist bzw. gar nicht mehr durchführbar ist.

17.März 2008

Die Saison 2008 ist eröffnet. Claudia hat ihre Babypause beendet und arbeitet wieder bei uns. Susanne ist ebenfalls wieder mit dabei. So haben wir unsere alte, bewährte Stammbesetzung wieder.

Mit den festen Häusern, die uns letztes Jahr versprochen wurden, ist es noch nichts geworden. Man hat nicht einmal damit angefangen. Nur ein staubiger Fahrradweg von Sagres zum Kap, der als solcher nicht erkennbar ist (in Ermangelung von Hinweisschildern) und der von den Autofahrern als willkommene Parkmöglichkeit gesehen wird, wurde auf die Schnelle unbefestigt neben die Nationalstraße geschüttet. Die Radfahrer fahren deshalb nach wie vor auf der Teerstraße. Vor dem Leuchtturm befindet sich nun auch wieder eine Baustelle. Jetzt wird innen ein kleiner Museumsanbau gemacht. Darin soll auch eine Cafeteria untergebracht werden. Wir sehen diese Entwicklung gelassen. War der Turm ohnehin die letzen Jahre nicht zu besichtigen. Und das Café wird wahrscheinlich die selben Produkte und Leistungen anbieten werden wie seit Jahren das große Café im Fortaleza, welches ständig leer ist.

28. März 2008

Unser Verkaufskollege Manuel - viele Besucher erkannten ihn an seinen Schlitzaugen und an seinem breiten Daumen auf der Waage, ist heute morgen verstorben. Das Kap ist nun um ein Original ärmer geworden. Bekannt war er u. A. durch seine ständigen lautstarken Ausrufe: “ Hallo - very good “ und “lucki lucki “.

6. bis 14. April 2008

Wegen Regen und Sturm sind wir gezwungen, den Verkaufsbetrieb voraussichtlich bis zum 15. April einzustellen. Es ist derzeit unmöglich, am Kap zu arbeiten und es würde auch keinen Sinn machen, weil niemand bei diesem Sauwetter aus dem Auto aussteigt. So genießen wir ein paar Tage naturbedingte Zwangsferien

8. April 2008

Unser Freund und ehemaliger Spieler beim 1. FC Nürnberg, mehrfacher deutscher Meister mit Bayern München, Bertram Beierlorzer besucht uns und wir haben heute bei Dauerregen ausgiebig Schafkopf gespielt. Ein schöner Tag trotz Regen, der uns gerne in Erinnerung bleiben wird und Heimatgefühle geweckt hat.

22. April 2008

Die Zeitschrift Globus - herausgegeben vom VDA Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland e.V. hat ein Interview mit uns geführt und in der Ausgabe 1/2008 veröffentlicht. Wir halten den Bericht für so gut gelungen, dass wir Ihn hier zum Nachlesen für Sie kopiert haben.

05. Mai 2008

Der Fernsehbericht (Kabel 1 - Mein neues Leben XXL) über 2 Chaoten - Auswanderer im Norden Portugals, die einen Bratwurststand eröffnen wollen, hat eine Flut von Anfragen bei uns ausgelöst. Die Reportage erweckt den Eindruck, dass dies in Portugal sehr einfach und leicht sei. Die Beiden haben lediglich eine Genehmigung des fernsehgeblendeten Bürgermeisters bekommen. Wenn öffentlich gesendet wird, dass tagelang ungekühlt im Topf aufbewahrte Würste verkauft werden, so ist das u. E. nicht nur Dummheit sondern es ist extrem gesundheitsgefährdend und kriminell. Wir bitten um Verständnis, dass wir auf Anfragen und Bitten um Hilfestellung bei dem Vorhaben, einen Bratwurststand in Portugal eventuell eröffnen zu wollen - nicht reagieren werden.

06. September 2008

Die Letzte Bratwurst vor Amerika wird es ab 2009 in fast allen deutschen Supermärkten zu kaufen geben. So müssen Sie nicht extra zu uns nach Portugal, um in den Genuss unserer Wurst zu kommen.  Wir wünschen jetzt schon guten Appetit. Auch in der Pfanne schmeckt sie hervorragend und ist in wenigen Minuten braun und servierfertig. Angeboten wird unsere Wurst im 3-er oder 4-er Pack. Sie erkennen sie ganz einfach an unserem Wurstlogo, die freundliche Bratwurst mit dem Daumen nach oben.

19. September 2008

Es scheint dieses Jahr nun endlich Realität zu werden. Es werden für uns die Häuser gebaut. Den Plan dazu habe ich gestern gesehen. Ab Mitte Oktober soll die Infrastruktur gemacht werden, also der Untergrund, Strom, Wasser. Danach werden bis Mitte März 2009 je 2 Häuserreihen a 10 Verkaufslogen gebaut. Die längst überfälligen Kundentoiletten werden auch nächstes Jahr zur Verfügung stehen.

22. Oktober 2008

Heute um 16.22 wird die Saison 2008 mit dem Verkauf unserer letzten Letzten Bratwurst beendet. Wir gehen in die wohlverdiente Winterpause. Wir sind gespannt auf die Bauarbeiten am Kap, die schon hätten begonnen werden sollen. Die Saison verlief sehr zufrieden stellend, wenngleich wir einen Rückgang unserer englischen Kundschaft um fast 80% zu verzeichnen hatten. Ausgeglichen wurde dies durch immer mehr Portugiesen, die sich neuerdings verstärkt an unseren Wurstprodukten geschmacklich erfreuen.

7. Dezember 2008

Es ist ein interessantes und langes Abendessen mit dem Präsidenten der Camara. Dabei geht es natürlich um das anstehende Bauvorhaben am Kap. Im Januar erfolgt eine Anhörung im Landratsamt mit allen Kollegen, um Vorschläge zur Gestaltung der Verkaufsräume zu unterbreiten. Der Präsident will sich informieren, wie wir uns den künftigen Arbeitsplatz vorstellen. Nur einen einzigen Wermutstropfen hat es gegeben. Bis Saisonbeginn 2009 (an Ostern) werden die Gewerke mit Sicherheit nicht fertig werden. Es ist auch noch nicht entschieden, ob es 2 Häuserreihen a 10 Verkaufslogen oder separate Kioske werden. Das Positive: Die Planungen nehmen nun konkrete Formen an. Es sind keine Absichtserklärungen mehr, sondern Fragen des Wann und Wie, nicht mehr des Ob oder Ob nicht. Toiletten für Kunden, die gesamte Infrastruktur des Bodens einschließlich Besucher- und Busparkplätzen und ein permanenter Stromanschluss sollen hingegen bis April 2009 fertig sein. Unsere Verkaufsräume werden dann Ende der Saison 2009 gebaut, da es keinen Sinn macht, während der Saison daran zu arbeiten. Man will uns mit diesem Zeitplan vor Umsatzeinbußen bewahren. Also noch eine Saison mit täglichem Auf- und Abbau des Verkaufsanhängers. Wir werden auch das überstehen und sind froh, dass der Verkauf am Kap für die Zukunft nun doch etwas sicherer und komfortabler zu werden scheint.

siegel2