Hier schildern wir Ihnen unsere Erlebnisse mit Fernsehen und Bürokratie. Wir empfehlen dem Erstleser, der Reihe nach von oben nach unten zu lesen. Für unsere “Stammleser” haben wir nun Anker eingefügt, sodass Sie beim Klicken auf die betreffende Jahreszahl gleich dorthin springen können. Und nun viel Spass über manch unvorstellbare Begebenheit. Es ist alles wahr. Das ist leider kein Roman, sondern entspricht alles den Tatsachen.

2006

2008

2007

1. September 2006 - Aktion “Mustarda” (Aktion Senf)

Ein Sondereinsatzkommando der Brigada Fiscal (Zoll) riegelt die Strasse zum Leuchtturm in einer Blitzaktion komplett ab. Eine mit 20 Mann bewaffnete SEK-Einheit ist bei dieser Razzia im Einsatz. Alle Besucher werden aufgefordert, unverzüglich das Kap zu verlassen. Wir verfolgen diese Aktion überrascht und denken zuerst, es ist Bombenalarm. Es ist keine Bombe, sondern die neugegründete portugiesische Lebensmittelbehörde Autoridade de Segurança Alimentar e Económia (ASAE), die uns kontrollieren will. Wir begrüßen unangemeldete Hygienekontrollen ausdrücklich, aber nicht diese Vorgehensweise. Wir kommen uns vor wie Verbrecher. Noch größer ist das Erstaunen, als der leitende Führungsbeamte, ein Tierarzt, am Schluss der Inspektion das Evangelium verkündet:
Unser Imbisswagen, die angebotene Ware, die Hygieneverhältnisse ergeben keinen Grund zur Beanstandung. Die Papiere sind vollständig und in Ordnung. Nach (portugiesischer) Umsetzung der EU - Richtlinien 852/2004 und 882/2004 sind auch bei einem ambulantem Imbissverkauf feststehende Toiletten für das Personal (nicht für Kunden) vorgeschrieben. Die Frischwasserzufuhr müsse aus einer kommunalen Druckwasserleitung erfolgen. Wasserkanister mit Fußpumpe wie im restlichen Europa sind nicht erlaubt. Er schließe deshalb jetzt mit sofortiger Wirkung unseren Verkaufsstand wegen hygienischtechnischer Mängel. Falls wir weiterarbeiten, stecke er uns sofort ins Gefängnis (wortwörtlich - kein Scherz). Das war es dann wohl. Wir reinigen den Wagen, packen zusammen und fahren ungläubig nach Hause. Weitere Informationen sollen wir morgen früh im Leuchtturm von der Marine erhalten. Wir haben eine schlaflose Nacht und verstehen die Welt nicht mehr. Über 10 Jahre haben wir offiziell mit allen nötigen Papieren und Lizenzen gearbeitet. Jetzt ist von einer Minute auf die andere der Laden dicht...


2. September 2006 - “reunião” (die Zusammenkunft)

Pünktlich um 10 Uhr stehen wir unausgeschlafen aber frisch rasiert am Kap vor dem verschlossenen Tor. Wir werden von einem Marineoffizier namentlich aufgerufen und gebeten, einzeln einzutreten und (diesmal unbewaffnet) in den Aufenthaltsraum der Marinesoldaten geführt. Dort sitzen bereits die leitenden Herren der an der gestrigen Aktion beteiligten Behörden und Institutionen auf einem erhöhten Podest. Wir sitzen da, wie begossene Pudel.

Zuerst spricht ein uns Unbekannter, der in der Mitte sitzt, von einem neuen Projekt und wie künftig die Infrastruktur vor dem Leuchtturm aussehen wird. Er erzählt von einem Fahrradweg, einem großen Parkplatz, zwei Häuserzeilen. Wohlwollendes Kopfnicken aller lokalen Stammesfürsten begleiten die Ausführungen (Nationalparkverwaltung, Denkmalschutz, Bürgermeister und Landrat). Der Hafenkapitän von Porto als oberster Dienstherr der Marine, auf deren Gelände wir stehen, liest dann unsere Namen einzeln vor und überprüft die Anwesenheit und Identität; dann wünscht er uns freudig für die Zukunft gute Geschäfte. Hä?

Wir haben nichts verstanden. Dann eine weitere Erläuterung durch den Präsidenten der Camara persönlich: Es seien nach zähen Verhandlungen endlich alle Kompetenzen geregelt und abgestimmt und somit eine solide Basis für die Zukunft geschaffen worden. 18 Verkaufsstände (namentlich die bisherigen Lizenzinhaber) erhalten feststehende Verkaufslogen mit Wasser- und Stromanschluss in 2 Steinhäusern auf Mietbasis, die die Gemeinde zur Verfügung stellen wird. In der Übergangszeit - bis die Gebäude errichtet sind - kann provisorisch wie bisher (mit täglichem Auf- und Abbau der Imbisswägen) weitergearbeitet werden. Die Kollegen ohne Lebensmittel dürfen sofort weiterarbeiten. Um den Auflagen der ASAE zu entsprechen stellt die Gemeinde unverzüglich Toilettencontainer auf und legt eine Wasserversorgung. Spätestens in 14 Tagen können dann auch die Lebensmittelverkäufer weiterarbeiten. Ein großer Cognac ist notwendig und fällig.

 

 


5. September 2006
Der Bagger kommt und fährt wieder ab, weil jemand im Tiefbauamt plötzlich die Erkenntnis hat, daß die zu legende Wasserleitung nicht kommunal, sondern unter der Nationalstraße N 125 verläuft. Eine Genehmigung des zentralen Straßenbauamtes in Lissabon Außenstelle Faro ist nötig und wird beantragt. Das wurde bei den Planung übersehen.


23. Oktober 2006
16.000 Bratwürste wegen Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums ordnungsgemäß entsorgt und vernichtet.


26. November 2006
Die schriftliche Genehmigung aus Faro liegt nach 11 Wochen vor. Die Saison ist für uns gelaufen.


4. Dezember 2006
Der Bagger kommt und verlegt das Rohr in knapp 2 Stunden. Der Wasseranschluss für den Zulauf ist fertig.


12. Dezember 2006
Für den Abwasser- und Fäkalientank muss jetzt der Aushub gemacht werden. Dafür braucht man - wen wundert es - eine Genehmigung. Diesmal von der Nationalparkverwaltung in Odemira . Der Antrag auf Bewilligung wird heute gestellt.


16. Dezember 2006
Warten auf die Genehmigung aus Odemira. Dabei stellt man nebenbei fest, daß noch eine weitere Genehmigung vom Amt für Denkmalschutz erforderlich ist. Es wundert uns zwischenzeitlich nichts mehr. Am Montag versuchen wir, bei der ASAE eine Ausnahmeregelung wenigstens für die Weihnachtsfeiertage zu erreichen.


18. Dezember 2006
Wir haben mit der ASAE gesprochen, die zu unserem Erstaunen sehr hilfsbereit ist. Es würde den Anforderungen genügen, wenn wir eine Chemietoilette in unmittelbarer Nähe unseres Imbisswagens und einen Zulauf der kommunalen Wasserversorgung haben. Die restlichen Auflagen haben wir ohnehin übererfüllt. Nachmittags vom Vizepräsidenten das Einverständnis erhalten, ein kleines Chemieklo am Kap provisorisch aufzustellen. Dieses wird sofort bestellt. Die neue Inspektion der ASAE wird telefonisch für den 20.12.2006 um 10.30 Uhr vereinbart.


19. Dezember 2006
Die Chemietoilette wird geliefert und am Kap innerhalb von 5 Minuten aufgestellt. 140 Euro Monatsmiete.


20. Dezember 2006
Die ASAE ist pünktlich um 11.00 Uhr zur Endabnahme da. Die Arbeiter der Gemeinde haben soeben den oberirdischen Wasseranschluss fertig. Ein Plastikrohr mit Wasserhahn aber mit Wasseruhr ragt einfach aus dem Boden. Den Inspektor der ASAE interessiert nur noch der Druckwasseranschluss, die Schlauchverbindung zum Imbiss und die Toilette. Der Wagen innen wird nicht mehr kontrolliert. Dann wird feierlich das Verkaufsverbot mit sofortiger Wirkung aufgehoben und die Erlaubnis für den weiteren Lebensmittelverkauf schriftlich erteilt. Eine Flasche Schampus ist fällig. Wir können die Saison zwar mit großem Verlust abhaken, sind die Ersten und bisher Einzigen mit dieser Genehmigung und wir werden aus diesem Grund ausnahmsweise auch in den Wintermonaten am Kap präsent sein.


16. Februar 2007
Der Verkaufskollege mit Donuts erhält als Zweiter seine Genehmigung von der ASAE. Er zieht es jedoch vor, noch nicht zu arbeiten und erst einmal noch abzuwarten.


23. Februar 2007
Die ASAE schreibt uns per Einschreiben an, wir sollen unverzüglich Stellung nehmen wegen unseres “ Hygieneverstoßes fehlende Toiletten und Wasseranschluss ”. Außerdem benötigen Sie den letzten Steuerbescheid (den sie schon längst kontrolliert haben). Das Strafmaß für dieses Vergehen liegt zwischen 500 Euro und 3750 Euro. Wenn wir 500 Euro gleich bezahlen, ist die Sache erledigt. Wir bezahlen nichts und senden der ASAE die gewünschten Unterlagen. Wir haben einen bitteren Geschmack im Mund.


22. März 2007
Der Kollege mit Donuts hat das Arbeiten heute begonnen. Es sind jetzt 2 Chemieklos am Kap. Weitere 7 folgen, weil die Lebensmittelbehörde für jeden Imbissbetrieb eine eigene Toilette vorschreibt. Somit sind demnächst insgesamt 9 Chemietoiletten am Kap und für Kunden kein Einziges. Der Ärger ist vorprogrammiert. Auf unsere Anfrage, ob zwischenzeitlich die Genehmigung des Denkmalschutzes und der Nationalparkverwaltung für die Toilettencontainer der Gemeinde vorliegt, erhalten wir negativen Bescheid. Es wird sich noch hinziehen. Ebenso negativ der Bescheid auf unsere Bitte, zumindest für unsere Kunden eine weitere Chemietoilette aufstellen zu dürfen. Wir müssten diese alle 2 Stunden komplett reinigen lassen, was unmöglich ist.


5. April 2007
4 weitere Kollegen erhalten die Lizenz der ASAE. Eine gibt es für einen völlig ausgemergelten und verrotteten Imbisswagen, der nur notdürftig gestrichen wurde, aber jetzt ein Waschbecken hat. Ein anderer Kollege hat sein Handwaschbecken aus Edelstahl einfach außen neben seinen LKW aufgestellt. Auch er darf weiterarbeiten. Jetzt ist die ASAE plötzlich damit einverstanden, wenn sich 3 Kollegen eine Toilette teilen. Wir verstehen nun endgültig unsere Hygienewelt nicht mehr und haben unsere Chemietoilette nur für uns beibehalten. Die seit September 2006 avisierten großen Toilettencontainer sind immer noch nicht aufgestellt.


26. Mai 2007
Der Verkaufskollege mit dem uralten Imbisswagen (siehe 5. April 2007) ist heute auf die glorreiche Idee gekommen, auch Besucher auf sein Chemieklo zu lassen (was natürlich verboten ist) - für 1 Euro pro Sitzung. Er “ verdient “ bereits am 1. Tag mehr als 30 Euro. Wir schütteln nur noch mit dem Kopf. Das ist Abzocke.

27. Mai 2007
Unsere neue Aussendekoration ist fertig.


12. Juni 2007 - Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser.
Sie kommen zu Zweit und als Touristen - Ehepaar getarnt, fragen auf Englisch, ob Sie unsere Toilette benutzen dürften, was wir verneinen. Wir schicken sie ahnungslos nach oben zu unserem Kollegen mit der selbstgenehmigten Toilettenvermietung. Sie bezahlen dort grinsend 1 Euro. Dann weisen sie sich bei ihm als Lebensmittelkontrolleure der ASAE aus. Es wird seine Waage konfisziert, die nicht zu seinen Ungunsten selbstgeeicht erscheint. Dann gehen sie weiter, wieder in unsere Richtung. Die Kollegin, die neben uns Hamburger und Schweineschnitzel - Sandwiches sowie Eis verkauft, entzieht sich in Panik einer Kontrolle; sie lässt alles Stehen und Liegen, ihren Imbisstand offen und fährt fluchtartig mit dem Auto davon. Wir vermuten einen akuten Schockzustand, der diese merkwürdige Reaktion bei ihr auslöst.

Bei uns wird dann kontrolliert - aber nur Kleinigkeiten bemängelt, die wir sofort abstellen können. Es muss bei unseren deutschen Senfeimern die Beschriftung auch auf portugiesisch vorhanden sein. Was “ mittelscharf ” auf Portugiesisch heißt, kann man uns nicht befriedigend beantworten, weil es dieses Wort nicht gibt. Wir dürfen gnädig diesen Eigenschaftshinweis weglassen. Der luftdicht verschlossene Reserve - Senf - Plastikeimer darf nicht auf dem Boden stehen, er muss auf einem Plastikgitter 5 cm über dem Boden aufbewahrt werden. Uhren, Armreife und Ringe dürfen nicht getragen werden und die Handtaschen sind ebenfalls nicht auf dem Boden, sondern in einem Schrank aufzubewahren. Ansonsten, keinerlei Beanstandungen. Wir bekommen nach 2 Stunden den grünen Haken auf das sehr umfangreiche Kontrolldokument. Den Bericht über die durchgeführte Kontrolle müssen wir zum Nachweis gegenzeichnen, damit der Vorgang als Erledigt in die Ablage der ASAE wandern kann. Wieder einmal sind wir die Einzigen, die diese Unterschrift leisten dürfen. Andere Kollegen werden sich derweil noch über weitere, unangemeldete Besuche erfreuen. Deren Aktenstatus steht nun entweder auf Wiedervorlage oder Nachbesuch. In machen Fällen ziert sogar ein hübscher, roter Reiter den weißen Aktenumschlag. Wir sind nicht unglücklich. Diese Art von Kontrollen begrüßen wir ausdrücklich. Sie dienen der Gesundheit der Kunden. Wir hoffen, dass im Rahmen der Gleichbehandlung nun tatsächlich auch alle anderen Kollegen kontrolliert werden.


18. - 19. Juni 2007
Das ZDF ist bei uns und dreht eine 5 Minuten - Reportage für die Sendung M.L. Mona Lisa. Sendetermin ist der 1. Juli 2007 um 18:00 Uhr im ZDF. Zum Ansehen des 6,3 MB großen Beitrages klicken Sie bitte hier.


9. - 13. Juli 2007
Kabel 1 ist bei uns zu Gast und dreht eine längere Reportage für die Sendung Abenteuer Leben.


26. Juli 2007
Am 26.7. um 20:15 in Kabel 1 für die Sendung “Mein neues Leben” - Thema: Nagelstudio statt Harz IV ist eine kurze Sequenz an unserem Stand mit dabei. Wir wünschen den beiden “Auswanderern” viel Glück, das werden sie bitter nötig haben, auch wenn wir es für sehr unwahrscheinlich halten, dass sie es schaffen.


26. Juli 2007
Paola und Kurt Felix besuchen uns und genießen eine Thüringer Bratwurst.


4. September 2007
Wir erhalten einen Einschreibebrief mit Rückschein von der ASAE. Darin wird die Kontrolle im Juni protokolliert. Obwohl uns damals von den Inspekteuren gesagt wurde, dass alles in Ordnung ist, sind wir wegen Verstoßes in 7 Punkten bezichtigt und sollen zwischen 500 und 3.750 Euro Strafe bezahlen und eine schriftliche Stellungnahme zu unseren “ Vergehen ” abgeben. Wir haben dafür 10 Tage Zeit. Die Aufstellung unserer “ Fehler ” zeigen wir mehreren uns befreundeten Portugiesen. Kein einziger ist in der Lage auch nur im Ansatz zu Verstehen, was die ASAE ausdrücken will. Morgen gehe ich zum Anwalt. Ich bin gespannt, ob er mir die Aneinanderreihung von Paragraphen erklären kann.

Kabel 1 sendet heute die Reportage über uns in der Sendung Abenteuer Leben um ca. 22:30 Uhr. Wiederholungen und Kurzberichte in diversen Programmen. Ebenso in “Volle Kanne”, im WDR und weiteren Sendern.


18. September 2007
Wir wissen nun, was wir unterlassen haben. Es wird von uns erwartet, dass wir eine der ASAE nahestehende Hygienefirma für 750.-- Euro pro Jahr beauftragen, die unsere Gefriertruhen 3 x pro Jahr kontrollieren. Wir müssen künftig täglich 2 x die Innentemperatur in einem speziellen Ringbuch erfassen. Was wir ohnehin täglich kontrolliert haben, muss nun nochmals extra protokolliert werden. Ebenso ein Reinigungsplan und und und. Das kostet dann 750.-- Euro pro Jahr. So kann man auch mühelos Geld verdienen. Der Anwalt bemüht sich, dass wir von einer Strafzahlung befreit werden. Die anderen Kollegen haben noch keinen Brief erhalten. Auch die Kollegin nicht, die geflüchtet ist. Wir zweifeln zwischenzeitlich stark an der Gleichbehandlung. Aber vielleicht hat es auch etwas Gutes. Wir wissen nur nicht was.


25. Oktober 2007
Wir können die Saison heute um 14:49 Uhr mit dem Verkauf der letzten letzten Bratwurst vor Amerika beenden, sind ausverkauft und begeben uns nun in die wohlverdiente Winterpause bis zum 10. März 2008. Im Winter sollen nun feste Häuser für uns am Kap gebaut werden. Vamos ver.......


17. Dezember 2007
Besuch und offizielle Mitgliedschaft im Deutschen Bratwurstmuseum. Wer in Thüringen ist, darf sich dieses Museum nicht entgehen lassen. Es ist einen kleinen Umweg allemal wert. Hier die Einzelheiten


01. Januar 2008
Das portugiesische Lebensmittelgesetz wird modifiziert; angeblich nur eine Umsetzung von geltendem EU-Recht. Was wir bisher davon wissen reicht uns jetzt schon:

Das generelle Rauchverbot in Gaststätten ist in Portugal nicht einmal das Papier wert, auf dem es steht. Es gilt zwar allgemein generelles Rauchverbot; aber schon darf überall munter weitergeraucht werden, wenn eine entsprechende Abzugsanlage im Gastraum eingebaut wurde. Und genau das ist das Problem: “Entsprechend” ist im Gesetz noch nicht näher definiert. So gibt es portugiesische Raucherkneipen mit einem Abzug, der aus einem 10 cm Loch in der Wand mit einem kleinen Ventilator besteht. Andere Wirte warten, bis eine detaillierte Vorgabe vom Gesetzgeber vorliegt und verbieten das Rauchen. Damit ersparen sie sich Kosten, weil die Gefahr besteht, dass der installierte Rauchabzug nicht den Anforderungen genügt oder überproportioniert wurde. Das will - außer ein paar Mutigen - niemand riskieren. Und es kommt der Sommer, da sitzt eh jeder draußen. Die Umsatzeinbußen halten sich somit in Portugal m vertretbaren Rahmen.

Alles Selbstgebackene von der Oma oder Nachbarin darf nur noch verkauft werden, wenn sämtliche Zutaten bei ASAE-verifizierten Betrieben (mit Rechnung) gekauft wurden. Die private Produktion mit Rohprodukten aus eigenem Anbau oder aus Nachbars Garten ist verboten. . Ausnahmen soll es nur geben bei typisch portugiesisch - traditionellen Produkten. Also werden auf den Märkten weiterhin regionale Würste oder Käse tagelang ungekühlt der Sonne ausgesetzt und ohne Spuckschutz, nach 100 Mal Betasten ganz legal verkauft. Das widerspricht nach geltendem Recht nicht den umfangreichen Hygienevorschriften. Wir haben mit unseren Bratwürsten in Portugal leider keine traditionellen Produkte - für uns wird nun der europäische HACCP - Plan bindend. Nach diesem haben wir zwar bislang schon gearbeitet, nun müssen wir aber alles zusätzlich schriftlich und mehrmals dokumentieren. Ein irrwitziger Verwaltungsaufwand.

Wer z. B. künftig einen Tosta Mista (Schinken / Käsetoast) verkaufen will, muss exakt Buch führen - über jede Scheibe Käse und Schinken, die er aus dem Kühlschrank nimmt. Nachweisen, wann und wo die Scheibe Toast gekauft wurde, wie und wie lange sie gelagert, wann - und mit welcher Temperatur sie entnommen wurde. Viele Kneipenbesitzer werden sich zukünftig entschließen, überhaupt kein Essen mehr anzubieten, weil der Verwaltungsaufwand viel zu hoch ist bzw. gar nicht mehr durchführbar ist.


17.März 2008
Die Saison 2008 ist eröffnet. Claudia hat ihre Babypause beendet und arbeitet wieder bei uns. Susanne ist ebenfalls wieder mit dabei. So haben wir unsere alte, bewährte Stammbesetzung wieder.

Mit den festen Häusern, die uns letztes Jahr versprochen wurden, ist es noch nichts geworden. Man hat nicht einmal damit angefangen. Nur ein staubiger Fahrradweg von Sagres zum Kap, der als solcher nicht erkennbar ist (in Ermangelung von Hinweisschildern) und der von den Autofahrern als willkommene Parkmöglichkeit gesehen wird, wurde auf die Schnelle unbefestigt neben die Nationalstraße geschüttet. Die Radfahrer fahren deshalb nach wie vor auf der Teerstraße. Vor dem Leuchtturm befindet sich nun auch wieder eine Baustelle. Jetzt wird innen ein kleiner Museumsanbau gemacht. Darin soll auch eine Cafeteria untergebracht werden. Wir sehen diese Entwicklung gelassen. War der Turm ohnehin die letzen Jahre nicht zu besichtigen. Und das Café wird wahrscheinlich die selben Produkte und Leistungen anbieten werden wie seit Jahren das große Café im Fortaleza, welches ständig leer ist.


28. März 2008
Unser Verkaufskollege Manuel - viele Besucher erkannten ihn an seinen Schlitzaugen und an seinem breiten Daumen auf der Waage, ist heute morgen verstorben. Das Kap ist nun um ein Original ärmer geworden. Bekannt war er u. A. durch seine ständigen lautstarken Ausrufe: “ Hallo - very good “ und “lucki lucki “.


6. bis 14. April 2008
Wegen Regen und Sturm sind wir gezwungen, den Verkaufsbetrieb voraussichtlich bis zum 15. April einzustellen. Es ist derzeit unmöglich, am Kap zu arbeiten und es würde auch keinen Sinn machen, weil niemand bei diesem Sauwetter aus dem Auto aussteigt. So genießen wir ein paar Tage naturbedingte Zwangsferien


8. April 2008
Unser Freund und ehemaliger Spieler beim 1. FC Nürnberg, mehrfacher deutscher Meister mit Bayern München, Bertram Beierlorzer besucht uns und wir haben heute bei Dauerregen ausgiebig Schafkopf gespielt. Ein schöner Tag trotz Regen, der uns gerne in Erinnerung bleiben wird und Heimatgefühle geweckt hat.


22. April 2008
Die Zeitschrift Globus - herausgegeben vom VDA Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland e.V. hat ein Interview mit uns geführt und in der Ausgabe 1/2008 veröffentlicht. Wir halten den Bericht für so gut gelungen, dass wir Ihn hier zum Nachlesen für Sie kopiert haben.


05. Mai 2008
Der gestrige Fernsehbericht (Kabel 1 - Mein neues Leben XXL) über 2 Chaoten - Auswanderer im Norden Portugals, die einen Bratwurststand eröffnen wollen, hat eine Flut von Anfragen bei uns ausgelöst. Die Reportage erweckt leider den Eindruck, dass dies in Portugal sehr einfach und leicht sei. Die Beiden haben lediglich eine Genehmigung des fernsehgeblendeten Bürgermeisters bekommen. Wenn öffentlich gesendet wird, dass tagelang ungekühlt im Topf aufbewahrte Würste verkauft werden, so ist das u. E. nicht nur Dummheit sondern es ist extrem gesundheitsgefährdend und kriminell. Wir bitten um Verständnis, dass wir auf Anfragen und Bitten um Hilfestellung bei dem Vorhaben, einen Bratwurststand in Portugal eventuell eröffnen zu wollen - nicht reagieren werden.